Niederlande: Die Zucht von Möpsen ab sofort illegal!

Commedia (Verband niederländischer Mopszüchter) stellt die Zucht des Mopses mit zu kurzen Schnauzen ab sofort ein. Die niederländische Regierung verbietet per Gesetz die weitere Zucht von Rassehunden mit zu kurzen Schnauzen. „Kurzschnauzige“ Hunde leiden nicht selten unter angeborener Atemnot und damit einhergehenden Erkrankungen. Die niederländische Initiative Dier & Recht fordert ab sofort alle Zuchtverbände von kurzschnauzigen Rassen auf dem Beispiel von Commedia zu folgen.

Dem kürzlich veröffentlichen Gesetz nach, muss die Schnauze eines Hundes ab sofort mindestens ein Drittel des Kopfes betragen. Das Bedeutet das Ende des Mopses, wie er bislang gezüchtet wurde in den Niederlanden, aber auch das Ende der französischen sowie englischen Bulldogge, die sich in den letzten Jahren immer mehr Beliebtheit erfreuen. In einer Mitteilung des Ministeriums LNV (Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität) wurde bekanntgegeben, dass ab sofort begonnen wird, anhand von Kontrollen dieses Gesetz durchzusetzen.

Gutes Beispiel

Commedia wartet nicht auf die Durchsetzung und stellt die Zucht des Mopses sofort ein. Der Zuchtverein will alles daran setzen, um auch in Zukunft die Gesetze einzuhalten und gesunde Hunde zu züchten. Auf dem Gelände sagt der Verband in einem Interview: „Da das Ministerium der Ansicht ist, dass das Züchten von Hunden mit schädlichen äußeren Merkmalen seit Inkrafttreten des Dekrets über Tierhalter (2014) verboten ist, müssen wir auch zu dem Schluss kommen, dass unsere internen Vorschriften im Widerspruch zu dieser Entscheidung standen. Die VFR (Vereinszuchtordnung) die bislang galt, ist derzeit überhaupt nicht in Kraft, da das Züchten bis auf Weiteres verboten ist“.

Das Resultat eines Jahrelangen Streits

Dier & Recht kämpft seit Jahren gegen Zuchthunde ohne oder mit zu kurzer Schnauze und freut sich über die Entscheidung von Commedia. Sie nimmt dabei eine globale Vorreiterrolle ein. Hans Baaij, Director Animal & Law: „Wir werden den Druck auch bei anderen Züchterverbänden für zu kurze Schnauzen aufrechterhalten und erforderlichenfalls Durchsetzungsanträge gegen Züchter einreichen, die weiterhin gegen das Gesetz gegen kurzschnauzige Hunde züchten.“ Kelly Kessen, Tierärztin bei Dier & Recht.

In den Niederlanden betroffene Rassen

  1. Affenpinscher
  2. Boston Terrier
  3. Pomeranian
  4. Englische Bulldogge
  5. Französische Bulldogge
  6. Belgischer Griffon
  7. Brüssler Griffon
  8. Japan Chin
  9. Mops
  10. Pekingese
  11. Brabanter Griffon
  12. Shih Tzu
  13. Bordeaux Dogge
  14. Boxer
  15. Bullmastiff
  16. Cavalier King Charles Spaniel
  17. Chihuahua
  18. Lhasa Apso
  19. Mastiff
  20. Mastino Napolitano
  21. Staffordshire Bull Terrier
  22. Yorkshire Terrier

Zucht nach Ampelprinzip

Das Ministerium nutzt ein Ampelsystem. Rot gilt für Hunde, deren Schnauze kürzer als ein Drittel des Schädels ist, wie Mops, Englische und Französische Bulldogge. Das Züchten mit diesen Hunden ist ab sofort verboten. Grün steht für eine Fanglänge von mindestens der Hälfte des Schädels. Orange unterliegt aktuell einer Übergangsregelung: Hunde mit einer Fanglänge zwischen einem Drittel und der Hälfte des Schädels dürfen dann noch gezüchtet werden, wenn sie alle anderen Zuchtkriterien erfüllen.

Aktuelle Lage in Deutschland

Nach §11b TierSchG ist die Qualzucht, wie sie geläufig bezeichnet wird, in Deutschland verboten. Das im Jahr 1999 durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in Auftrag gegebene Gutachten zur Auslegung des §11b TierSchG soll Züchtern von Heimtieren helfen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.  Ziel einer Zucht soll demnach sein, dass die Nachkommen vital, gesund, schmerz- und leidensfrei sind.

Durch die anhaltende oder gar steigende Zahl an Qual- und Defektzuchten insbesondere bei Hunden wie dem Mops oder der Französischen Bulldogge, besteht seit Juli 2016 ein Aktionsbündnis deutscher Tierärzte im Rahmen einer Aufklärungskampagne der Bundestierärztekammer.

Maßnahmen sind:

  • Aufklärung durch Merkblätter
  • Checklisten zur Beurteilung von Qualzuchten und deren Ausprägung
  • Hilfestellungen für amtliche Tierärzte
  • Versuch besonders von Qualzucht betroffene Rassen weniger in Werbung zu zeigen

Tierschutzgesetz § 11b

(1) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch biotechnische Maßnahmen zu verändern, soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse oder im Falle der Veränderung Erkenntnisse, die Veränderungen durch biotechnische Maßnahmen betreffen, erwarten lassen, dass als Folge der Zucht oder Veränderung

  1. bei der Nachzucht, den biotechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten oder
  2. bei den Nachkommen
    1. mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten,
    2. jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder
    3. die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt.

(2) Die zuständige Behörde kann das Unfruchtbarmachen von Wirbeltieren anordnen, soweit züchterische Erkenntnisse oder Erkenntnisse, die Veränderungen durch biotechnische Maßnahmen betreffen, erwarten lassen, dass deren Nachkommen Störungen oder Veränderungen im Sinne des Absatzes 1 zeigen werden.
(3) Die Absätze 1 und 2 gelten nicht für durch Züchtung oder biotechnische Maßnahmen veränderte Wirbeltiere, die für wissenschaftliche Zwecke notwendig sind.
(4) Das Bundesministerium wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates

  1. die erblich bedingten Veränderungen und Verhaltensstörungen nach Absatz 1 näher zu bestimmen,
  2. das Züchten mit Wirbeltieren bestimmter Arten, Rassen und Linien zu verbieten oder zu beschränken, wenn dieses Züchten zu Verstößen gegen Absatz 1 führen kann.

VDH

Neben einem Bericht einer Arbeitstagung zu dem Thema „Belastungstest für Hunde kurzschnäuziger Rassen“ aus dem Jahr 2014, gibt es aktuell keine Informationen auf der Website oder offiziellen Stellungnahmen zu diesem Thema von dem VDH.

Tierärztekammer Westfalen-Lippe

Wir haben die Tierärztekammer Westfalen-Lippe stellvertretend um Stellungnahme gebeten und bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Reaktion erhalten.

Peta

PETA fordert auch deutsche Verbände, wie den Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), dazu auf, Qualzuchten auf Ausstellungen und im Internet keine Plattform mehr zu bietendamit das Leid tausender Vierbeiner nicht weiter vorangetrieben wird.

„Der VDH muss sich dem massiven Leid dieser Hunde endlich stellen und darf den Züchtern dieser ‚Rassen‘ keine Plattform mehr bieten. Auf Qualzuchten spezialisierte Züchter müssen rigoros aus dem Verband ausgeschlossen werden“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Das niedliche Aussehen bezahlen die Tiere mit lebenslangen Qualen und teilweise mit ihrem Leben. Manche Vierbeiner können nicht einmal im Liegen schlafen, weil sie ersticken würden; andere fallen ohnmächtig um, wenn sie sich zu sehr aufregen. Dieses Leid darf vom VDH und der Politik nicht länger hingenommen werden.“

Quelle: Peta

Vererbung beim Hund: Das Handbuch für Züchter und Halter
  • 208 Seiten - 26.04.2018 (Veröffentlichungsdatum) - Müller Rüschlikon (Herausgeber)

Hintergrund: Brachycephales Syndrom bei Hunden

Was genau ist eine Brachycephalie?

Brachycephalie bedeutet nichts anderes als Kurzköpfigkeit. Als kurzköpfig, somit auch als kurzschnauzig wird ein Hund bezeichnet, bei dem der Schädel im Verhältnis breiter und kürzer ist, als bei einem Hund mit normal langem Schädel. Die damit einhergehenden kurzen Nasen und kurzen Kieferknochen sowie der runde Schädel erinnern an das „Kindchenschema“ nicht ausgewachsener Hunde ohne diese Problematik. Bei nicht vom Brachycephalen Syndrom betroffenen Hunden verwächst sich das Babyhafte im Laufe des ersten Lebensjahres, bei betroffenen Hunden bleibt das Erscheinungsbild bestehen. In den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach Hunden dieser Rassen kontinuierlich an.

Welche Rassen sind betroffen?

Von Brachycephalie sind einige Rassen betroffen, zu den beliebtesten gehören zweifellos der Mops, u.a. die Französische Bulldogge, die Englische Bulldogge, der Boston Terrier, Chihuaha.

Woran erkenne ich ob ein Hund darunter leidet?

Von vielen Hundehaltern als Rassetypisch und  als vollkommen normal bezeichnet sind die Atemnebengeräusche. Man hört den Hund leicht grunzen und pfeifen. Hierbei handelt es sich nicht um ein Geräusch des Wohlbefindens, etwa beim völlig entspannten Kuscheln auf der Couch. Jedes grunzen, röcheln und schnarchen ist ein Zeichen, dass die Atemluft während diese die Atemwegedurchströmt, behindert wird.

Was fällt und das Brachycephalen Syndrom?

Es handelt sich bei den einzelnen Komponenten um Missbildungen, welche je nach Ausprägung mehr oder weniger stark vorhanden sein können.

  • Zu kleine Nasenlöcher
  • Veränderte Nasenmuscheln
  • Langes Gaumensegel
  • Zu kleiner Kehlkopf und zu schmale Luftröhre
  • Kehlkopfkollaps

Viele Symptome, hervorgerufen durch diese Missbildungen, können durch eine Operation verbessert werden, jedoch ist dadurch leider keine endgültige Heilung möglich. Einige Tiere neigen womöglich genetisch, unter einem ständigen anschwellen der Schleimhäute. Um diese Problematik in Zukunft in den Griff zu bekommen und den Tieren nachhaltig zu helfen, ist ein Zuchthygienischer Ansatz unbedingt erforderlich.

Einschränkungen durch diese Erkrankung

Viele Einschränkungen fallen unter das Brachycephale Syndrom, auch ist die Ausprägung von Hund zu Hund anders. Leichtere Fälle weisen geringere Symptome wie lediglich Schnarchen, Röcheln oder Grunzen auf, an warmen Tagen sind diese Hunde allerdings weniger belastbar. Schwere Fälle können durch die Einschränkungen kaum ein normales Hundeleben führen. Spielen, Spaziergänge, eine Autofahrt – das alles kann durch die Problematik des Brachycephalen Syndroms lebensbedrohlich werden.

Nebenerscheinungen des Brachycephalen Syndroms

Neben dem Atmungsapparat und damit einhergehenden Problemen, können auch im Magendarmtrakt Schwierigkeiten auftreten. Es ist zu beobachten das betroffene Hunde, die unter dem Brachycephalen Syndrom leiden verstärkt Atemluft ansaugen um die Lungen mit Luft zu füllen, da die Luftpassage der oberen Atemwege durch z.B. das zu lange Gaumensegel oder die zu kleinen Nasenlöcher behindert ist.

Vermutet aber nicht bestätigt ist, dass der dadurch erhöhte Unterdruck zum Kehlkopfkollaps führen kann. Auch kann es zu einem erhöhten Unterruck im Magen kommen, das wiederrum begünstigt das Anteile des Magens in den Brustkorb gesaugt werden. Für den Hund bedeutet es eine ständige Reizung der Magenschleimhaut und somit zu Magenschleimhautentzündungen. Eine Reizung oder gar Entzündung der Magenschleimhaut kann sich durch übermäßiges Grasfressen, Erbrechen (u.a. von Schleim) und Würgen zeigen.

Um als Mensch nachzuvollziehen, was im Körper eines betroffenen Hundes geschieht, kann man ganz einfach einen Selbsttest machen:

Mit den Fingern die Nase so weit zuhalten, dass lediglich ein Drittel der Nasenlöcher offen ist und eine Zeit lang atmen. Dabei den Mund geschlossen halten und man kann schnell nachvollziehen, wie sich betroffene Hunde fühlen.

Es kommt zu einer Reizung der Nasenschleimhaut. Während wir einfach die Finger von der Nase nehmen und wahrscheinlich keine Folgen spüren, kann der Hund dies nicht tun. Es kommt zu einer dauerhaften Reizung der Nasenschleimhaut, der Nasenhöhle und des Kehlkopfes. Durch die Dauerbelastung verdicken sich die Schleimhäute der Atemweg noch zusätzlich zu den bereits vorhandenen angeborenen Missbildungen und das Atmen fällt den Tieren immer schwerer.

Ist eine Operation immer notwendig?

Es gibt natürlich auch Hunde, die einer der Brachycephalen Rasse angehören die wenig bis keine Symptome aufweisen, leider ist dies eher eine Ausnahme.

Wenn man seinen Hund beobachtet und z.B. an warmen Tagen Atemgeräusche wahrnimmt, ist es immer ratsam einen Tiermediziner um Rat zu fragen.

Sollte ein operiertes Tier zur Zucht genommen werden?

Ein Hund der an einer Erkrankung diesen Ausmaßes leidet und sogar operiert werden musste, um selbst ein normales Hundeleben führen zu können sollte keinesfalls für die Zucht in Betracht gezogen werden. Die angeborenen Missbildungen wurden zwar durch den chirurgischen Eingriff behoben, die Gene werden aber trotzdem an die Nachkommen vererbt und diese leiden dann mindestens genau so, wenn nicht noch schlimmer.

Hunde würden länger leben, wenn ...: Schwarzbuch Tierarzt
  • 192 Seiten - 25.03.2011 (Veröffentlichungsdatum) - mvg Verlag (Herausgeber)

Folgt uns bei Facebook

Bollerkopp - Trau dich eigensinig zu sein
Bullyclub - Rund um die Französische Bulldogge