Sind Gene für Atemgeräusche und -beschwerden bei Hunden verantwortlich?

Können Atemprobleme in künftigen Züchtungen ausgeschlossen werden?

  • Hunde wie z.B. die Französische oder die Englische Bulldogge leiden unter Atemproblemen
  • Lange wurde angenommen, dass die Zucht von zu kurzen Nasen ursächlich ist
  • Wissenschaftler fanden eine Gen-Mutation, welche möglicherweise für Atemgeräusche und -beschwerden verantwortlich ist
  • Gentests könnten dazu beitragen gefährdete Tiere zu identifizieren, um diese von der Zucht ausschließen zu können

Das Gen, das für Atemgeräusche und -beschwerden bei kurzschnauzigen Hunden verantwortlich ist, wurde von Wissenschaftlern identifiziert. Für die Zukunft könnte diese Erkenntnis bedeuten, dass kurzschnauzige Hunde nicht mehr unter den chronischen Atembeschwerden leiden müssen, für die sie bislang berüchtigt sind. Das defekte Gen ist für Flüssigkeitseinlagerungen verantwortlich, welche zu einem Anschwellen der Atemwege führen. Individuelle Gentests für das ADAMTS3-Gen, könnten Tierärzten helfen potentiell gefährdete Tiere zu identifizieren und somit Züchter unterstützen, die Vermehrung betroffener Welpen zu vermeiden. Es wird seit langem angenommen, dass der Wunsch der Besitzer nach platten Schädeln und einem knautschigen Gesicht ausschließlich zu dem Problem führe, aber diese Studie wirft Zweifel auf. Diese Problematik tritt bei beliebten Plattnasenhunderassen wie der Französischen und Englischen Bulldogge, dem Mops aber auch dem Norwich Terrier auf, der zwar eine proportionale Nase hat, aber mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat. Die Entdeckung des dafür verantwortlichen Gens bedeutet, dass die Form des Schädels einiger Rassen nicht der einzige Faktor ist, der Atemnot bei diesen Hunden verursacht.

Viele Hunde mit verkürzten Nasen sind von einer Erkrankung betroffen, die als Brachycephalic Obstructive Airway Syndrome oder BOAS bezeichnet wird. Diese Erkrankung kann dazu führen, dass die Hunde häufig grunzen, schnarchen und kurzatmig werden. Dr. Jeffrey Schoenebeck und sein Team am Roslin Institut an der Royal (Dick) School of Veterinary Studies der University of Edinburgh analysierten die DNS von mehr als 400 Norwich-Terriern. Die Tierärzte führten daneben auch klinische Untersuchungen an Hunden durch, um ihre Atemwege auf Anzeichen von Krankheiten zu untersuchen. Die mutierte Version des Gens war auch bei französischen und englischen Bulldoggen verbreitet, was erklären könnte warum einige Hunde dieser Rassen auch nach einer Operation mit Atembeschwerden und Komplikationen zu kämpfen haben. Dr. Schoenebeck sagte: „Wir kommen zu dem Schluss, dass es zusätzliche genetische Risikofaktoren gibt, die bei Vererbung wahrscheinlich zu Atemwegserkrankungen bei Hunden führen werden und das unabhängig von ihrer Gesichtsform. Die Herausforderung besteht darin, diese Ideen zu integrieren und in vernünftige Zuchtpraktiken und -behandlungen umzusetzen, die verschiedene Gesundheitsrisiken berücksichtigen, einschließlich derjenigen, die durch die Mutation von ADAMTS3 entstehen.“

Norwich Terrier

Norwich Terrier leiden trotz proportionaler Nase oft an Atemgeräuschen und -beschwerden.

BOAS ist eine komplexe Erkrankung. Obwohl die Schädelform ein wichtiger Risikofaktor ist und bleibt wird vorgeschlagen, dass auch der Status von ADAMTS3 berücksichtigt werden sollte. Es sind weitere Studien erforderlich, um die Komplexität dieser verheerenden Krankheit zu analysieren. Der leitende Facharzt für Chirurgie Dr. Jon Hall, der eine Spezialklinik für Hunde mit Problemen der oberen Atemwege namens BREATHE leitet, sagte: „Diese Entdeckung ist ein entscheidender Wandel in unserem Verständnis von Problemen der oberen Atemwege bei Hunden, von denen wir hoffen, dass wir Hunde mit einem höheren Risiko für katastrophale Schwellungen der Atemwege identifizieren können noch bevor sie auftreten.“. Gemeinsam mit erfahrenen Züchtern, kann das Screening auf die Mutation auch Tierärzten helfen Hunde zu identifizieren, die gefährdet sind. Insbesondere die Hunde sind zu identifizieren die nach einem chirurgischen Eingriff, der nicht selten lebensbedrohliche postoperative Komplikationen mit sich bringt, unter einer Schwellung der Atemwege leiden.

Warum leiden einige Hunde unter BOAS?

Viele Hunde mit verkürzter Nase sind von einer Erkrankung namens Bracycephalic Obstructive Airway Syndrome (BOAS) betroffen. Diese Erkrankung kann dazu führen, dass betroffene Hunde oft nach Luft schnappen, grunzen, schnarchen und kurzatmig werden. Zu den am häufigsten betroffenen Rassen gehören die französische Bulldogge, die Englische Bulldogge, der Mops, der Pekingese, der Shih Tzu, der Japan Chin, der Boxer und der Boston Terrier (Brachycephal-Rassen). Das prägnanteste Merkmal dieser Rassen ist ihre kurze Schnauze.

Sie wurden dazu hin gezüchtet, einen normal großen Unterkiefer, aber einen viel kürzeren Oberkiefer zu haben, was zu einer Prädisposition für Obstruktion der oberen Atemwege und einer darauffolgenden Atemnot führt. Obwohl nicht alle brachycephalen Rassen an klinischen Symptomen leiden, hat die Häufigkeit und vor allem die Schwere von Atemwegserkrankungen zugenommen. Die Atemwegserkrankung im Zusammenhang mit der Bestätigung der Brachyzephalie wird als obstruktives Atemwegs-Brachyzephalie-Syndrom (BOAS) bezeichnet.

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